1986 |
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Verein rettet die Windmühle
Um ein Haar das Glück verschenkt
ah.HIESFELD. „Mühlen am Wege bedeuten Glück", sagt ein Sprichwort. Um ein Haar hätte Hiesfeld sein Glück vergeben. Die Windmühle, das Wahrzeichen des Stadtteils sollte nämlich ursprünglich abgetragen und im Freiluftmuseum Kommern/Eifel wieder aufgebaut werden. Aber der "Förderverein Windmühle Hiesfeld e.V.", der in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert, hat sie den Hiesfeldern erhalten.
Vor 164 Jahren ließ Windmüller Gerd Eickhoff die "Holländer" mit drehbarer Haube, in Hiesfeld bauen. An ihrem 100. Geburtstag 1922 verriegelte der letzte Müller die Eingänge und die große Karrenauffahrt. Die Flügel standen senkrecht im Kreuz auf "Feierabend". Sie war zum Sterben verurteilt. Granaten zerfetzten 1945 die Haube. Doch das starke Mauerwerk und die schweren Balken widerstanden. Das Wahrzeichen Hiesfelds, wenn auch erheblich angekratzt, war nicht zu zerstören.
Ein Arbeitskreis aus Hiesfeldern, Barminholtener und Oberlohberger Bürgern machte es sich Anfang der 70er Jahre zur Aufgabe, unter anderem Baudenkmäler zu erhalten und hörte auch vom geplanten Umzug der Mühle nach Kommern. Schnell war ein "Förderverein Windmühle" gegründet. Den "Männern der ersten Stunde", Cornelius Benninghoff, Berthold Schön, Horst Schweitzer, Friedrich Bongers, Eugen Schürmann, Hans Maas u.a. war kein Weg zu den Behörden zu weit, kein Schreiben zu lang und keine Aktivität zu viel, um die Windmühle zu retten. Bei den Verantwortlichen der Stadt, die plötzlich nichts mehr von der "Mühle in der Eifel" wissen wollten und beim Landeskonservator fand sie offene Ohren und auch Hilfe.
Und der Mühlenverein ging mit gutem Beispiel voran. Bis heute brachte er durch Mithilfe von Schulen, Vereinen, Kirchen und Banken nahezu 90.000 Mark zusammen, wovon bis jetzt etwa 65.000 für die Restaurierung verwendet wurden. Der Vereinsvorstand rechnet damit, dass im Jubiläumsjahr die 100.000 erreicht werden.
Zum zehnjährigen Bestehen wird ein großes Mühlenfest im Mai in Verbindung mit dem 80jährigen Bestehen des Turnvereins und der Werbegemeinschaft unter dem Motto "Hiesfeld unter einem Dach" veranstaltet. Dann wird die Mühle der Öffentlichkeit vorgestellt. Unter anderem ist ein maßstabsgerechtes, bewegliches Modell zu sehen, dass ein Lünerburger Modellbauer in siebenmonatiger Arbeit erstellt hat. Die Mühle soll kein Museum werden, sondern der Öffentlichkeit, insbesondere den Schulen zugänglich gemacht werden.
Der Förderverein hat im Jubiläumsjahr 80 Mitglieder, denen Kurt Altena (Vorsitzender), Horst Strack (2. Vorsitzender), Friedrich Bongers, (Geschäftsführer), Artur Benninghoff (Schatzmeister), Werner Horstmann (Schriftführer) vorstehen.

Der Vorsitzende des Mühlenvereins Kurt Altena (li.) und Geschäftsführer Friedrich Bongers sind stolz auf das maßstabsgerechte und allen beweglichen Techniken ausgestattete Modell der Hiesfelder Windmühle
NRZ 1. Februar 1986 Photos: Behrendt (2)
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