M ü h l e n v e r e i n
Hiesfeld e.V. in Dinslaken

      D  a s   w a r  ( a u c h )   2 0 2 2   - der Newsblog 


01.01.2022

Windmühle Hiesfeld als Neujahrsgruß

Bild: Fotostudio B, Wesel

09.01.2022
Die Windmühle wird 200 Jahre alt - Beginn der Inforeihe mit Logo
Bild: Wilfried Jasper - Logo-Design: sunday @rt

Das letzte Mehl vor 100 Jahren

Nach dem letzten Sack Mehl schloss der Müller Hermann Sondermann 1922 Tor und Türen der Windmühle Hiesfeld für immer. Nicht ganz… denn 1942 kaufte sie Hermann Bergmann aus Telgte. Danach waren es insbesondere Hiesfelder Bürger, die den Zerfall der Windmühle aufhalten wollten. Als der Mühlenbetrieb eingestellt wurde, war das Hiesfelder Wahrzeichen genau 100 Jahre alt. In diesem Jahr wird also das inzwischen denkmalgeschützte Gebäude 200. An dieser Stelle wird über das ganze Jahr die Geschichte und mit Anekdoten über das „Flügelwesen“ an der Sterkrader Straße berichtet.


16.01.2022
Gerhard Eickhoff

Gerhard Eickhoff

wehmütiger Blick von Kurt Altena vor dem Abriss des Bauernhofes
Kurt Altena (heute Ehrenvorsitzender des Mühlenvereins) spielte in seiner Jugend in dieser Gegend des Eickhofes an der Rouleerburg
Letztes Bild des Bauernhofes
Der Stammsitz der Eickhoffs im Herbst 2014. Im Januar 2015 wurde er zugunsten der Mülldeponie abgerissen.

 

Fotos: Dr. Ingo Tenberg

 
Die Geschichte der Windmühle (1)

Gerhard Eickhoff wurde am 20. März 1793 auf dem alten Stammhof der Eickhoffs in Barmingholten am Rouleer geboren. Die Freiheitskriege hatte er als Leutnant beim reitenden Landsturm mitgemacht. Nach glücklicher Heimkehr stand er vor der Frage: Was beginnen? Da er den elterlichen Stammhof nicht bekommen sollte, übergab ihm sein Vater 1821 eine Abfindung von 1095 clevischen Talern. Das war damals eine ganz erhebliche Summe, mit der sich schon etwas anfingen ließ. Und was er damit wollte, das hatte Eickhoff schon immer gewusst: Eine schöne große Windmühle sollte ihm Meister Heinrich Brahm aus Meiderich (heute Stadtteil von Duisburg) bauen.


23.01.2022

Der

Mühlen-Baumeister

Heinrich Brahm

Windmühle Hiesfeld mit Segeltuch
  1822 Hiesfeld (Dinslaken)
Die Tankstellen-Mühle von Holten Windmuehle in Hünxe, ohne Ruten
1838 Holten (Oberhausen) 1839 Hünxe
Die Geschichte der Windmühle (2)

Der Mühlenbauer Heinrich Brahm aus Meiderich (heute Stadtteil von Duisburg) war offensichtlich schon renommiert, als Gerhard Eickhoff ihn mit dem Bau der Hiesfelder Turmwindmühle beauftragte. Die Mühlenbauer waren seinerzeit Innen- und Außenarchitekten, so wie Bauunternehmer in einer Person. Zwei "Nachbarmühlen" von Brahm sind noch heute zu sehen. 1832 erhielt er die Bau-Genehmigung für die Mühle in Holten, die er jedoch für sich selbst als Müller von qualifizierten Arbeitern bauen ließ und erst 1838 in Betrieb nahm. Ab 1915 waren die Ruten nur noch Dekoration, da die Brahm'sche Mühle auf Dampfbetrieb umgestellt wurde. Im 20. Jh. kannten die Menschen den Ort nur noch als ARAL-Tankstelle mit der Windmühle. Die letzte Mühle von Heinrich Brahm dürfte wohl die in Hünxe gewesen sein. Erst 1927 rissen die Flügel durch einen Sturm, doch der Betrieb ging mit Dampfkraft und Elektrizität und einer Müllerin (in einem anderen Gebäude) bis 1964 weiter. Der alte Ziegelbau wurde Wohnimmobilie und war lange Zeit die "Mühle des Grauens", so scherzhaft von Bürgern benannt, da hier der Zahnarzt wohnte. Da durch seine Praxis das Ziegelgebäude erhalten blieb, nannte man sie aber auch freundlich die "Doktorsmöll".


30.01.2022
Flurkarte von 1822
eine typische Mühlenbaustelle als Modell Details an der Baustelle

Die Flurkarte von 1798 aktualisiert 1822 - und eine typische Mühlenbaustelle als Modell aus dem Mühlenmuseum

Die Geschichte der Windmühle (3)

1821 zeigte Eickhoff dem Mühlenbauer das erworbene Grundstück. Kein Haus, kein Baum konnte den Wind dort ablenken. Eine Flurkarte aus 1798 zeigt die Eigentümer  Winkamp und Doern(e)mann.  Dieser Platz gefiel auch dem Mühlenbauer, und er versprach, die Mühle im nächsten Jahr betriebsbereit zu haben. Mühlen dieser Bauart wurden innerhalb von 8 bis 24 Monaten gebaut. Meister Brahm erzählte ihm auch von seinen Lehr- und Wanderjahren am Niederrhein und durch Holland (westlichste Provinz der Niederlande), wo er die meisten Windmühlen gesehen hatte. Doch wurden sie nicht etwa dort erfunden. Solange gibt es sie schon, dass man nicht einmal ihr genaues Alter kennt. Sehr wahrscheinlich brachten tüchtige Kreuzfahrer Anfang des 12. Jahrhunderts den Windmühlenbau nach Mitteleuropa. Er verbreitete sich am schnellsten in Holland und Flandern. Dort im Tiefland haben ja die Bäche nicht genug Gefälle und die Flüsse zu wenig Strömung, um Wasserräder anzutreiben. Im leichten Hügelland und in der Stufenlandschaft des Kreises Dinslaken gibt es beides: Wind- und Wassermühlen.


06.02.2022
Eine Wiese voller Maulwurd-Löcher vor dem Museum
Ein Maulwurf im Mühlenverein?

Als der Mühlenverein beschloss, für einige Wochen (in der Winterzeit) das Mühlenmuseum wegen Corona, aber auch wegen Bauarbeiten zu schließen, war zunächst der Termin auf Ende Januar fixiert. Das sich so viele Maulwürfe in der Woche zuvor auf dem Gelände der alten Wassermühle breit machen, das hat der Mühlenverein jedoch noch nicht gesehen. In Deutschland sind generell (mit Ausnahmen) alle heimischen Arten der Säugetiere nach Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Im Februar ist übrigens Paarungszeit der Nager, die sich mit Bodeninsekten ernähren. Das "Haus Hiesfeld" im Hintergrund ist heute ein Restaurant. Vor 800 Jahren lebten dort Ritter (in einem dreigeschossigem Gebäude) und waren die Eigentümer der Wassermühle.


13.02.2022
Ein Blick auf die Königswelle
Die Geschichte der Windmühle (4)

Zwei Monate nach der Grundstücksbesichtigung erlebten die Hiesfelder staunend, wie ein klobiger Turm aus fast meterdickem, dunkelrotem Mauerwerk auf dem freien Feld neben der Straße nach Barmingholten Tag um Tag höher wuchs. Nach oben verjüngte er sich wie ein richtiger Kegelstumpf. Wagen mit 4 und 6 Pferden davor brachten gewaltiges Balkenwerk an. Jedes einzelne Stück nahm Meister Brahm in Augenschein, ob es auch fehlerfrei und abgelagert sei. Bei der dicken Königswelle wollten einige bemerkt haben, wie er über das runde Eichenholz gestrichen und dabei einen seltsamen Segen gemurmelt habe. Sicher hatte er es nur besonders sorgsam beklopft und geprüft. Die Königswelle heißt mit Recht auch "Mühlenkönig", denn sie regiert das ganze Mahlwerk. Die Kraft des Windes, viele Pferdestärken also, wird durch ihr Holz auf 2 oder 3 Mühlsteine übertragen. Dazu sind aber noch zwei Zahnräder nötig: der Bunkel am oberen Ende der Königswelle und das mächtige Kronrad unten. Dieses erhielt einen Durchmesser von 2,45 m und seine harten Buchenzähne waren 0,38 m lang. Noch größere Maße nahm der Baumeister für das starke Rad, das auf die Achse fest aufgekeilt wurde. Diese Achse war 6,50 m lang und drehte sich vorn und hinten auf den Katzensteinen.


20.02.2022
Ankündigung Wiedereröffnung
frisch tapeziert und neuer Monitor...
Der Mühlenverein war nicht im Winterschlaf. Durch den Umbau im Mühlenmuseum von Gasheizung auf Fernwärme sind Arbeiten für den Mühlenverein angefallen, die so nicht vorgesehen waren. Die Stadt hat alles bis zum Trockenbauer ausgeführt. Tapezieren und Streichen war und ist unsere Aufgabe. Es wurde ein neuer Monitor angeschafft, dieser soll dem Besucher durch Filme und Bilder einen tieferen Einblick in die Mühlenwelt und Technik ermöglichen. Die Mühlenmodelle wurden neu arrangiert (was schon vor einiger Zeit begonnen wurde).

27.02.2022

die Böschung ist fast fertigDer Terminplan für Öffnungen (zunächst bis zum Deutschen Mühlentag) liegt fest. Das Mühlenmuseum wird alle 14 Tage sonntags von 10 bis 15 Uhr geöffnet sein. Wenn die Renovierungsarbeiten rechtzeitig fertig gestellt werden, dann wird die Windmühle von April bis September an jedem 1. Samstag im Monat für Besucher in der Zeit von 11 - 14 Uhr geöffnet sein.

Am Pfingstmontag ist nur die Windmühle geöffnet, denn dann beginnt die Geburtstagsfeier zum 200sten.

Jeweils gültige coronabedingte Vorschriften, bitten wir bei Besuchen zu beachten.

 

06.03.2022
Das Achsenrad oder auch Kammrad
Die Geschichte der Windmühle (5)

Dieses Bild zeigt das Kammrad und ein Stück der horizontalen Achse. Diese Achse ist 6,50 m lang und dreht sich vorn und hinten auf den Katzensteinen.

Ein merkwürdiger Name, aber doch treffend! Denn beim Reiben mit nassen Fingern soll man einen bestimmten, höchst unangenehmen Geruch wahrnehmen. Übrigens muss die Auflagestelle ständig mit Speckschwarten oder Öl gut geschmiert sein, sonst läuft sich der eiserne Achsenhals beim geschwinden Drehen der Flügel heiß. Katzensteine, Achse und Achsenrad sind hoch oben in der Kappe eingebaut. Damit sie sich leicht in den Wind bringen lässt, läuft sie auf eisernen Rollen. Die Lager, Rollkränze genannt, waren früher aus hartem Eichenholz gefertigt und sauber in vielen Einzelstücken rundum aneinander gelegt.

Für diesen Blick muss man auf die höchste Ebene, direkt unter das Kappendach.


13.03.2022
Hier sind die Kruehpfähle noch in der Wassermühle gelagert Mit der Leiter vor der Windmühle Der Kopf des Pfahles aus der Nähe Echte Arbeit für die Ehrenamts-Müller
 
Hiesfelder Windmühle aktuell: Krühpfähle

Diese Bilder zeigen das Einsetzen des ersten Krühpfahles in die neu geschaffene Böschung bzw. den Rundgang. In regelmäßigen Abständen, rund um die Mühle, werden Fixierpunkte für das Krühwerk geschaffen. Das Krühwerk sind die Holzbalken mit denen die Kappe gedreht und damit die Flügel "in den Wind gestellt werden". Der Mühlenverein hat diese Hilfs- und Sicherheitselemente angeschafft und beginnt nun mit der Installation. Gleich drei verschiedene Sandarten (Körnung) wurden verwendet, um Drainage und Stabilität zu testen. Das kleine Windspiel auf dem Dach ersetzt nicht die einstmals mächtige Windrose, die das Müllerleben erleichterte. Bis die Mühle wieder um die "eigene Achse" gedreht werden kann, sind aber noch Arbeitsschritte und Prüfungen notwendig.

- alle Bilder mit klick vergrößerbar -


20.03.2022
Logo Heimatverein Oberlohberg
NEU in "links"

Die Zusammenarbeit des Mühlenvereins mit anderen Hiesfelder Vereinen hat eine lange Tradition. Ohne das Engagement verschiedener Ehrenamtler wäre der "Mühlenverein" 1976 wohl gar nicht gegründet worden. Bei den Willkommensfeiern neuer Mühlenmodelle gab es fast immer auch einen Frühschoppen für die anderen Vereine (inklusive Feuerwehr und Bürgermeister). Nun bietet das Museum kaum noch Platz für neue Modelle... doch die gemeinsamen Treffen sollen, vor allem wenn die Rahmenbedingungen wieder stimmen, einen Platz im Terminkalender finden. Ein erster (digitaler) Schritt ist die Vernetzung der Web-Seiten. Wir starten mit dem Heimatverein Oberlohberg. Ein Klick auf das stimmige Logo des Vereins führt direkt zu dem Verein, bei dem auch die Trecker-Gemeinschaft ihre Heimat hat. Dabei verbindet die Landwirtschaft auch gleich die Kette "vom Korn zum Brot", bei der die Mühlen eine wichtige Aufgabe erfüllen.

PS: Ein kleiner Blick in die Geschichte. Bis zur Auflösung der größten Gemeinde in Preußen (nämlich Hiesfeld) mit der kommunalen Neuordnung in 1917 war der Name von Lohberg Unterhiesfeld. Das Wort Loh entspricht der Lohe, der Baumrinde von Eichen und Buchen, die von der Hiesfelder Wassermühle für die Dinslakener Gerberei gemahlen wurde. Das Korn wurde bis 1822 im wesentlichen in der Mühle Doernemann gemahlen.


27.03.2022
Windmühle 1928

Feier zum 175. Geburtstag

So viele Menschen waren bei der Eröffnung 1822 nicht dabei

Die Geschichte der Windmühle (6)

Einige Tage später, nachdem die Kappe der Windmühle mit Schindeln gedeckt war, ließ Meister Brahm bereits die fertig gezimmerten Flügel (er selbst nannte sie Ruten) einsetzen. Das war wohl das härteste und gefährlichste Stück Arbeit am ganzen Bau. Wehe, wenn die Taue rissen, an denen die schweren 12m langen Hölzer bis zum Wellkopf mit dem weißen Stern hochgezogen wurden! Der Mühlenbaumeister gönnte sich keine Pause, bis der letzte Flügel verbolzt war.

Darüber war es bereits dunkel geworden. Allein überprüfte er dann noch die Bewegung der Flügel und die Arbeit des Getriebes. In der Frühe des neuen Tages band er frische Birkenmaien an 2 Flügelenden und stellte das Rutenkreuz "in der Schere" (diagonal). Das sagte allen Leuten:

Freut euch, die Mühle ist fertig, das Werk ist gelungen!


- Paul - ihr Webmaster -
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