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Plakat der Veranstaltung (nicht Original) Gruppenbild
Plakat der Veranstaltung
Zeigten im Hiesfelder Mühlenmuseum Einblicke in ihr Können: Herbert Kaminsky, Renate Kout, Alfred Schmitz, Rudolf Hartmann und Jürgen Roehl(v.l.).
(Foto: Heinz Kunkel)

Ein ganz besonderes Hobby

AUSSTELLUNG / Schnitzkunst vom Feinsten
präsentierte "Span für Span" im Mühlenmuseum.

THORSTEN OTTO

DINSLAKEN, Das Rezept: Kreatives Denken, eine ruhige Hand, Spass am Schnitzen. Das Resultat: Figuren, Bilder, Schatzkästchen. Span für Span zum Meisterwerk. Zu bewundern im Hiesfelder Mühlenmuseum. Das weit über die Grenzen der Launestadt bekannte Bauwerk platzte am Wochenende aus allen Nähten. Zwischen Einkauf und Martinikirmes strömte das Volk durch Gänge und Räume.
       Kurt Altena, Herr der Mühlen, und Schirmherr Uwe Meinen waren begeistert. Jürgen Roehl und Rudolf Hartmann vom Verein "Span für Span" allemal. Sage und schreibe 200 Exponate zogen Besucher und Ehrengäste in ihren Bann. Hand anlegen inklusive. In den obereren Stockwerken konnten potentielle Neumitglieder des Vereins ihr Geschick testen. "Kommen Sie einfach mal rum", ermutigten Roehl und Hartmann Interessenten zum Griff in die Werkzeugkiste. Berührungsängste waren fehl am Platze. Die ersten Schnitzlinien schienen vielversprechend. Trotzdem, bis zum Kunstwerk schräg gegenüber ist es ein langer Weg. "Die Herstellung des Abendmahls hat ein Jahr gedauert", betonte Jürgen Roehl. Der Blickfang im Dachgeschoss.
Dass es nicht immer das Riesen-Gemälde sein muss, bewiesen allerlei Figuren. Madonnen, Schutzpatrone wie der hl. St. Florian und Darstellungen aus dem Arbeitsleben rundeten das Angebot ab. Da machte der Kumpel im Schweisse seines Angesichts Kohle neben dem Clown, schützende Hände und die Gänseliesel standen sich Auge in Auge gegenüber. "Die Liebe zum Detail ist bestechend", urteilten viele. Und ließen sich von Figuren und Darstellungen mit auf die Reise der Phantasie nehmen.
       Apropos Holz: Verwendet werden kann fast jede Art. Selbst alte Zaunpfähle. Bis auf Pappeln. Der Traum eines jeden Schnitzers ist die Zirbelkiefer. Erhältlich in der Steiermark! Stichwort Arbeitsstunden. Für kleine Figuren fallen im Durchschnitt 10 Stunden an, größere Exponate schlagen mit 50 bis 100 Stunden zu Buche. Eine Frau und zehn Männer sind derzeit im Verein aktiv, Neumitglieder sind herzlich willkommen. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann den Verein und seine Kunstwerke in Kürze erneut erleben. Im Hünxer Heimatmuseurn ,und in den Räumlichkeiten der Lebenshilfe sind ab dem ersten Advent die nächsten Ausstellungen der Schnitzgruppe geplant.

 NRZ  11. November 2002

 

Schnitzen ist Therapie für Körper und Seele

Von DIRK WEBER

DINSLAKEN-HIESFELD. Am Anfang ist es ein grober, nichts sagender Klotz. Ein HoIz, weich wie das von Linde, Ahorn und Zirbelkiefer. Mit einer Stichsäge wird der "Brocken" meist gestutzt und danach mit einem Messer Span für Span abgetragen. Das Ergebnis gab's am Wochenende im Mühlenmuseum Hiesfeld zu bestaunen.

Altena, Hartmann und MeinenÜber 230 Messer hat Rudolf Hartmann von den Bruckhausener Hobbyschnitzen "Span für Span" in seinem Besitz, was in etwa der Hälfte aller verfügbaren Größen und Stiche entspricht. Darunter Schütz- und Kerbschnitzmesser für die Relief- und Kerbschnitzerei. Letztere sehen aus wie normale Küchenmesser, mit dem Unterschied, "dass wohl kein Chirurg ein schärferes Skalpell besitzt". Also Vorsicht. "Ein Schnitzmesser ist dann erst richtig scharf, wenn man sich damit die Härchen am Arm wegrasieren kann", erzählt Michael Poss. Für Hartmann sind das "alte Märchen". "Hauptsache, der Schnitt ist spiegelblank", was er an den halbfertigen "Begrüßungsenten" aus Lindenbohlen demon striert. Sauber schneidet die Klinge in das Holz und schiebt einige spiralförmige Späne vor sich her. Mit einem stumpfen Messer wäre das Material vermutlich gerissen oder abgeplatzt.

Glatte Schnitte

Orientieren können sich die Schnitzer dabei an der Maserung, "Niemals gegen die Faser schneiden, immer mit", erklärt Hartmann, "sonst bricht das Holz oder es franst aus." Anhand der Jahresringe könne er sehen, wie das Holz läuft und so einen "glatten Schnitt" setzen, vorausgesetzt, es gibt keine Wirbel. Schnell wachsende Hölzer sind Gift für den Schnitzer, weil: gröber und deshalb schwerer zu bearbeiten. Fichte und Tanne zum Beispiel sind spröde und trocken und platzen leichter auseinander. Deshalb greifen die Schnitzer lieber zu den weichen Hölzern. "Ich werfe auch keine alten Bretter weg", erzählt Hartmann. Es sei sogar schon vorgekommen, dass er Holz von der Straße mit nach Hause gebracht hätte, um daraus eine Figur zu schnitzen. Bis unters Dach reicht inszwischen der Vorrat: "Ein richtiges Lager habe ich in der Garäge , trocken und luftig, damit das Holz nicht vermodert."

Viele der größeren Exponate im Mühlenmuseum sind geleimt, bestehen aus mehreren Bohlen, damit das Holz nicht reißt, wenn man es bearbeitet. Wie eine aufwändige Krippenarbeit, in die Hartmann mehr als 200 Arbeitsstunden investieren musste. "Da muss man aufpassen, dass man nicht verrückt wird, von der ganzen Fummelei. Dann braucht man Abstand. " Aber die Liebe zu Arbeit und zum Material sind stärker. Am nächsten Tag macht man weiter". Holz sei eben etwas Sinnliches, "e?s lebt in der Hand". Und das sagt ein Schlosser. "Schnitzen ist Therapie für Körper und Seele. Kein Geduldsspiel." Obwohl Jürgen Roehl von Zeit zu Zeit schon mal die Krise kriegt, wenn er ein Stück Holz sieht, so völlig nackt und unbearbeitet. "Aber wenn man weiß, was am Ende dabei rauskommt, dann ist es die Arbeit wert." Kurt Altena, Vorsitzender des Hiesfelder Mühlenvereins, war so fasziniert von den Reliefs und den Kripp?en, den Figuren und Schnittbögen, dass er die Hünxer unbedingt für eine Ausstellung gewinnen wollte. "Diese Menschen sind keine Hobbyschnitzer, sondern Spezialisten. Eine Ausstellung wie die, hätte genauso gut in Duisburg, Düsseldorf oder Köln stattfinden können"

Siegfried HornAus "RevAG"

wurde "Span für Span"

HÜNXE. Angefangen hat alles mit der "RevAG", der Revier Arbeitsgemeinschaft der Schachtanlage Lohberg. Die nämlich bot ihren Mitarbeitern, vor allem den Frührentnern, ein Beschäftigungsprogamm. Im so genannten "Wohnheim" an der Südstraße trafen sich die Arbeitsgruppen Töpfern, Tiffany, Malerei, Fotografie und eben auch Schnitzerei. Über 25 Jahre leitete der gelernte Holzschnitzer Fritz Ratner aus Oberammergau den Kursus, bis die Schachtanlage Anfang '98 ihre Räumlichkeiten im Südlager aufgeben musste, Warum, wissen die Hobbyschnitzer bis heute nicht. Klar war lediglich, dass die Gruppe unbedingt weitermachen wollte.

Auf der Suche nach einern neuen Domizil, bot schließlich die Gemeinde Sankt Albertus-Magnus in Hünxe-Bruckhausen ihre Hilfe an. Kurze Zeit später verstarb Reitner. Auf einer Adventsfeier gab man sich den neuen Namen: "Span für Span". Seitdem treffen sich die Hobbyschnitzer immer dienstags und freitags in der Zeit von 15 bis 18 Uhr im Keller des Pfarrheims zur gemeinsamen Arbeit. Die Gruppe besteht aus elf Mitgliedern: zehn Männer und eine Frau.

 RHEINISCHE POST   11. November 2002

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