Mühlenverein Hiesfeld
die Geschichte der Windmühle
WINDMÜHLE

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Geschichte
 
Hiesfeld
 
Renovierung 1998
 
Renovierung 2004


 
 
 

 

Seite 4
 Artikel in der NRZ vom 25. September 1952

Hubert van Loosen vom Heimatverein Dinslaken, der am 26. Februar 1950 am Rande einer Karnevalssitzung gegründet wurde, schrieb regelmäßig diese Kolumne in der NRZ. Dank an Janine Wolfsdorff vom Stadtarchiv und Karl-Heinz Tack, der den Zeitungsartikel an uns weitergab.
 

Mühlen im (alten) südlichen Kreis Dinslaken

Der älteste (derzeit) vorhandene Zeitungsartikel (von 1952) über Mühlen unserer Gegend, geht nicht auf die Mühlen in Hünxe, Bruckhausen oder Voerde (Spellen / Haus Wohnung) ein. Dafür zählt er die ehemaligen und noch vorhandenen Mühlen in Dinslaken + Hiesfeld und Walsum auf.

  Wasser Wasser Wind Wind Wind
Dinslaken  

Rosendahlsche

Altmarkt

bis 1906

"Kupfermühle"

hinter dem Bärenkamp?

Rosendahlsche

Schuhfabrik Hoffmann

heute STEWES

Bienensche

am "Walsumer Stadttor"

Hiesfeld

am Freibad

Rotbach

Dörnemann

Rotbach

Eickhoff    
Walsum

am Schwan

  Aldenrade    

Die noch vorhandenen Mühlen (rot) sind heute in der Betreuung des "Mühlenvereins Hiesfeld e.V." Unbenannt bleibt eine sehr frühe Bockwindmühle, die auf dem Gebiet von Eppinghoven, nahe der Stadtgrenze zu Walsum (heute Duisburg) noch mit Straßennamen und als eine mit Büschen umzierte Fläche erkennbar ist.

Die letzten zwei Sätze im Zeitungsartikel (NRZ) von Hubert van Loosen führen in den "zweiten" Teil der Geschichte: "Die Hiesfelder Windmühle von Sondermann an der Sterkrader Straße, die durch Kriegseinwirkungen stark beschädigt wurde, wird jetzt erneuert. Sie wird bald wieder ihre Flügel drehen können."

Zwei Informationen sind relevant: Im Volksgedächtnis 1952 war, dass Müller Sondermann tatsächlich der letzte aktive Müller war und... dass es bereits Initiativen zur Restaurierung gab und zwar mit Genehmigung von Hermann Bergmann, der seit 1942 Eigentümer war. Später ging die Mühle in den Besitz der Erbengemeinschaft im Münsterland.

1950: Aufruf in der Tageszeitung durch den Aktionskreis für die Restaurierung der Hiesfelder Windmühle. 1953 /54 Wiederherstellung mit neuen Ruten, der Turm wird gefugt, die Treppen erneuert und elektrisches Licht installiert.

Urkunde

Ein wichtiger Schritt war die Anerkennung der Windmühle als Baudenkmal durch den Landeskonservator, der sich allerdings schon früh als Liebhaber von Mühlen zu erkennen gab. Neben der Mühle in Holten und Oberhausen waren durch die Industrialisierung des Ruhrgebiets nur wenige Windmühlen verblieben. Insoweit hatte die Dinslakener Mühle einen gewissen Standortvorteil. Die abgebildete Urkunde stammt jedoch aus dem Jahr 1984, als das Denkmalwesen neu geordnet wurde. Johannes Rau, damaliger Ministerpräsident von NRW, hat die Urkunde unterzeichnet - ebenso wie für die Wassermühle. Beide Denkmäler hat er besucht... und konnte sich (auch dank der 1. Plakette) ins Gästebuch des Mühlenvereins eintragen.

Im September 1968 titelt die RHEINISCHE POST: Dorfgemeinschaft sucht Herz für die Windmühle, gemeint ist ein Motor, vielleicht ein Dreschmaschinen-Motor, der die Flügel der Mühle antreiben könnte. Einen wichtigen Hinweis auf handelnde Personen gibt das Zitat: "Die Hiesfelder Windmühle befindet sich, obwohl sie als Baudenkmal anerkannt ist, in Privatbesitz. Kornelius Benninghoff bemüht sich seit langem in Absprache mit dem Besitzer um ihre Erhaltung. Gemeinsam mit Hermann Dörnemann und dem verstorbenen H. Muthmann baute er das im letzten Krieg schwer angeschlagene Bauwerk wieder auf. "Ohne die Hilfe des Bergbaudirektors Dr. Hoffmann vom Hamborner Bergbau* wäre uns das gar nicht möglich gewesen", erinnert er sich. (rechts der ganze Text - klick)

* Der "Hamborner Bergbau" hatte Anfang des 20. Jh. Grundstück und Gebäude der Hiesfelder Wassermühle gekauft, zunächst an den Müller Josef Altebockwinkel und ab 1924 an die Stadt Dinslaken verpachtet. Heute (2016) ist die einst von Thyssen gegründete Bergbaugesellschaft eine reine Immobiliengesellschaft.

kleines Vorschaubild auf Zeitungsartikel

Artkel lesen (anklicken)

Der "Aktionskreis" hatte in der Presse und Öffentlichkeit viele Namen, u.a. Dorfgemeinschaft Hiesfeld. In einem Schreiben von 1971 an alle Ratsmitglieder und die Stadtverwaltung lautet der Briefkopf jedoch korrekt:

A r b e i t s k r e i s

BARMINGHOLTEN - HIESFELD - OBERLOHBERG

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VORSITZENDER: Kornelius Benninghoff

seine Mitstreiter/Unterzeichner sind Eugen Schürmann und Reinhard Muthmann

Vorschaubild Brief Benninghoff an die Stadt

Brief lesen (anklicken)

In diesem Brief geht es zur Sache. Ja, der Arbeitskreis hatte für Sanierungsaufwendungen an faulenden Teilen Zuschüsse erhalten:

Stadt Dinslaken: 3670 DM, Kreis Dinslaken 1400 DM und der Landeskonservator 700 DM.

Doch dem Arbeitskreis ging es um mehr: Verlegung der Riemenschneiderstraße, niedrige Bebauung (um die Mühle nicht windtot zu machen) und natürlich den Erwerb des Mühlengrundstücks mit Erweiterung bis zur Küpperstraße. Das große Ziel wurde nicht erreicht, doch die Stadt hatte plötzlich Handlungsdruck. Gerüchte kamen auf, dass der Stadtdirektor (Josef Schmitz) die Mühle zwar erwerben wolle, aber gleich an ein Freilichtmuseum in der Eifel (Kommern) weitergeben würde."Jupp" verneinte das später, merkte aber an, dass er die Windmühle gerne im Rotbachtal gesehen hätte...

 Kornelius Benninghoff vor der Windmühle

 In der Presse am 2. März 1974: Kornelius Benninghoff, der vom Heimatverein Dinslaken aus den Kampf nicht gegen, sondern für die Flügel und die gesamte Windmühle führte. In seinen vielen Briefen, wegen der Mühle, schreibt er seinen Vornamen mit K, und er musste es ja wissen.

Wahrzeichen wird repariert, aber...
Windmühle keine alte Bauruine
Rheinische Post Paul Thomas

Dinslaken. Sie befindet sich im Privatbesitz, steht aber unter Denkmalsschutz: die Hiesfelder Windmühle. Das ist bei allen vor 1850 errichteten Bauten der Fall, die in ihrer Art einen kulturgeschichtlichen Wert darstellen. So werden beispielsweise die "Drei Kreuze", die Hiesfelder Wassermühle und die Bollwerksche Kate von der Stadt unterhalten. An der Windmühle, die sich bis auf Kleinigkeiten in gutem Bauzustand befindet, stehen jetzt Ausbesserungsarbeiten an: die Erneuerung einiger Fenster und einer kleineren Dachfläche. Der gestern erstmalig öffentlich tagende Dinslakener Kulturausschuß empfahl, die Mühle als Kulturdenkmal zu erhalten und einen Zuschuß für die erforderlichen Reparaturen zur Verfügung zu stellen. Die Reparaturen könnten, wie gestern in der Sitzung zu erfahren war, durch die Bauunterhaltung des städtischen Hochbauamtes durchgeführt werden. Dazu muß allerdings die Verwaltung noch das Einverständnis des Besitzers einholen.

An einen Trinkhalleninhaber verpachtet war eine Zeitlang die Windmühle. Jetzt ist in ihr ein Blumengeschäft untergebracht. Verhandlungen über den Erwerb der Mühle sollen im Gang sein.

23. Mai 1974

Die Mühle von hinten 1974

Ein Jahr später: 1975

Der Sturm brach einen Flügel ab und die Windmühle sah trostlos aus, die schon investierte Arbeit für Dach und Innenleben schien vergebens. Der glückliche Umstand, dass der Landschaftsverband Rheinland im Sommer 1975 drei Millionen D-Mark für 223 Denkmalsobjekte freigab, war auch die erhoffte Hilfe für Hiesfeld. Die ev. Kirche bekam Geld und 8000 DM für die Mühle. Stadt und Kreis beteiligten sich jeweils mit dem gleichen Betrag.

Kornelius Benninghoff Kurt Drawert Willi Grube und Werner Horstmann Werner Lindemanns und Hermann Doernemann junior
Kornelius Benninghoff Kurt Drawert Willi Grube und Werner Horstmann Werner Lindemanns und Hermann Doernemann jr.
Eugen Schürmann Horst Schweitzer Günter Strack
Eugen Schürmann   Horst Schweitzer Günter Strack

Screenshots aus dem Super8-Film von Eugen Schürmann - aufbereitet (digitalisiert und nachbearbeitet) - "Alte Mühle, neue Flügel"  (YouTube-Kanal Mühlenverein Auflösung HD 720)

Etwa Mitte der 1970er Jahre bestand der Arbeitskreis mindestens aus Eugen Schürmann (Holzbau Schürmann), Hans Schmelzer (Schuhhaus Schmelzer) Kurt Hesse (Glückauf-Apotheke), Reinhard Muthmann, Friedel Bongers, Heinz Nuske, Architekt Horst Schweitzer und Richard Klein (Gastwirt in der Dorfschenke, heutige Volksbank, gegenüber der evangelischen Kirche). Es galt, die historische Windmühle zu erhalten. Unterstützung fand der Mühlenerhalt auch durch die einmal jährlich stattfindende Mühlenkirmes.

Aus dieser Interessengemeinschaft entwickelte sich die Werbegemeinschaft Hiesfeld, deren offizielle Gründung 1976 beschlossen wurde. Gleichzeitig vereinbarte man die Gründung des "Fördervereins Windmühle Hiesfeld“. Als schließlich auch die Wassermühle restauriert werden sollte, wurde der Verein in "Mühlenverein Hiesfeld e.V.“ umbenannt und die dritte Geschichte der Windmühle konnte beginnen. (Siehe Portal Verein/Geschichte)

Inzwischen (1978) ist der Besitzstand in einem Erbbau-Pachtvertrag zwischen der Stadt und der Erbengemeinschaft geregelt.

Die zweite Geschichte zwischen der Mühlenschließung und der Gründung des Mühlenvereins hat einige herausragende, aber auch zahlreiche Gesichter im Hintergrund. Vom Heimatverein Dinslaken und vom Arbeitskreis Hiesfeld, schließlich aber auch von Rat und Verwaltung der Stadt Dinslaken gab es Initiativen, Geld und praktische Hilfen. Dank gebührt allen.

 Windmühle im Bleistift-Stil

Diese 4. Seite wurde mit Hilfe und Informationen der lokalen Presse, Monika Schürmann und Kurt Altena gestaltet.
 

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